Am 24.06.2026 hat der Sowi-LK der Q1 an der Stadtführung „Stadtleben“ von FiftyFifty teilgenommen. Die Führung fand im Rahmen des Themenfeldes soziale Ungleichheit statt. Ziel war es, einen Einblick in das Leben von Menschen zu erhalten, die von sozialer Ungleichheit und Obdachlosigkeit betroffen sind.
Gemeinsam mit unseren beiden Stadtführern besuchten wir mehrere Stationen, die für obdach- und wohnungslose Menschen wichtige Anlaufstellen sind. Die Führung begann am Büro von FiftyFifty an der Höhenstraße. Dort wurde uns zunächst das grundlegende Ziel der Organisation erklärt.
Anschließend stellten sich die beiden vor und berichteten von ihrem persönlichen Weg in die Obdachlosigkeit, unter anderem ging es auch um Spielsucht und deren Folgen. Dadurch erhielten wir einen besonders authentischen Einblick in das Leben der Betroffenen, da sie offen und ungefiltert von ihren Erfahrungen erzählten.
Danach gingen wir zur ersten Station, der Obdachlosenunterkunft an der Eisenstraße. Dort erfuhren wir, dass Menschen ohne festen Schlafplatz in solchen Notunterkünften übernachten können. Außerdem wurde uns erklärt, dass das Gebäude an der Eisenstraße ein umstrittenes Projekt ist. Es soll künftig als Anlaufstelle für schwer suchtkranke Menschen dienen, wogegen sich Teile der Nachbarschaft ausgesprochen haben.
Anschließend begaben wir uns zur Notunterkunft an der Ellerstraße. Unser Führer konnte uns dort einen besonders persönlichen Einblick geben, da er selbst einige Zeit in dieser Unterkunft gelebt hatte. Uns wurde erklärt, dass in solchen Einrichtungen klare Regeln gelten. Wer gegen diese verstößt, kann die Unterkunft verlassen müssen, da die Bewohner lediglich einen Nutzungsvertrag unterschreiben und somit keinen dauerhaften Anspruch auf den Platz haben. Gleichzeitig wurde jedoch betont, dass niemand einfach auf die Straße gesetzt wird. Stattdessen wird versucht, eine alternative Unterkunft zu finden.
Im weiteren Verlauf führten uns die beiden Guides durch die Stadt und zeigten uns Orte, an denen sich obdachlose Menschen früher oder teilweise auch heute noch aufhalten. Besonders eindrucksvoll war dabei die Grabenstraße. Dort wurde uns geschildert, welche Schwierigkeiten suchtkranke Menschen bewältigen müssen und zu welchen Mitteln manche greifen, um an Drogen zu gelangen. Außerdem konnten wir dort benutzte Spritzen liegen sehen, was uns einen sehr eindrücklichen Einblick in das Leben auf der Straße und die Folgen der Sucht vermittelte.
Die Führung endete an der Johanneskirche, die früher für viele obdachlose Menschen ein wichtiger Schlafplatz war.
Insgesamt hat die Führung unserem Kurs die Möglichkeit gegeben, die Auswirkungen sozialer Ungleichheit besser nachzuvollziehen und direkt mit betroffenen Menschen ins Gespräch zu kommen. Wir haben während der Führung viel gelernt und viele neue Eindrücke mitgenommen.
Besonders deutlich wurde uns, dass Obdachlosigkeit nicht zwangsläufig das Ende bedeutet. Es gibt Hilfsangebote und Möglichkeiten, wieder aufgefangen zu werden – allerdings müssen die Betroffenen diese Unterstützung auch annehmen und aktiv mitwirken.
Eike Plociennick und Maximilian Thieme (Q1)
